Rauss Ingeborg

Haupt-Reiter

Der Ordnungstrieb ist ein Grundzug des Menschengeistes,
der in der Wissenschaft als logische Folge und System,
in der Kunst als Proportion und Harmonie erscheint.

Berthold Auerbach

Charakteristik und Vita

Impressionen

Ingeborg Rauss absolvierte die Europäische Sekretärinnen-Akademie, startete ihre künstlerische Ausbildung bei Prof. Jacobo Borges an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg, studierte Kunstwissenschaft und Philosophie an der Katholisch-Theologischen Privat-Universität in Linz mit Diplomabschluss (2001 - 2006), absolvierte einen Universitätslehrgang bei Prof. Brehm und Prof. Billy an der Kunstuniversität Linz (2000-2003) und studierte an der Akademie für Malerei in Berlin (2007-2011), wo sie jetzt als Gastdozentin tätig ist. Neben ihrer regen Ausstellungstätigkeit ist sie auch Gründungsmitglied der Produzentengalerie Root in Berlin und Autorin von EX-POSITION. Gesellschaftspolitische Bezüge der Kunst am Beispiel der Documenta 11. VDM-Verlag. Ingeborg Rauss arbeitet in ihren Werkserien mit Ordnungssystemen in Wechselwirkung mit Naturgesetzen, wobei der Mensch Teil einer Hierarchie von Organisationsebenen ist.

Warum BURN-IN

Das Arbeiten mit Ordnungssystemen und die philosophischen Hintergründe machten die künstlerische Persönlichkeit von Ingeborg Rauss für BURN-IN wertvoll und interessant für eine weitere Zusammenarbeit. Ihre Arbeiten wurden bei BURN-IN in den Ausstellungen TRANSPARENZ UND NACHHALTIGKEIT im April 2014 sowie WECHSELSPIEL-INTERAKTION im Oktober 2015 gezeigt. 

Ingeborg Rauss arbeitet in ihren Werkserien mit Ordnungssystemen in Wechselwirkung mit Naturgesetzen, wobei der Mensch Teil einer Hierarchie von Organisationsebenen ist.
„In meinem Leben gab es einige bedrohliche Situationen, die einer raschen Entscheidung bedurften. Diese Entscheidungen sollten die richtigen sein, denn sie betrafen nicht nur mich, sondern auch mir am Herzen liegende Menschen. Ihr Wohl lag in meinen Händen, besser formuliert:  im klaren Denken und strukturierten Handeln“. „Der Mensch, der selbst ein Ordnungssystem innerhalb der Hierarchie von Ordnungsebenen ist, schafft seinerseits Ordnungssysteme“.

gestern war noch alles in Ordnung

Diese Aussagen von Ingeborg Rauss kann man als Basisidee für ihr künstlerisches Schaffen betrachten. Gesellschaftskritik betont die Wichtigkeit des Menschen in ihren Arbeiten,  die Einbeziehung von Ordnungssystemen weist auf ihr strukturiertes Handeln hin.  

Ihre gedanklichen Ansätze sind in der Nähe der philosophischen Erkenntnistheorie und der Semiotik angesiedelt. Symbole stehen ja stellvertretend für etwas Gedachtes, nicht Wahrnehmbares,  und vermittelten früher  eine geheime Nachricht, in die nur wenige  gebildete Menschen eingeweiht waren. Fast alle heutigen Piktogramme (abgesehen von fachwissenschaftlichen)  können mittlerweile von allen Menschen gelesen werden und sind auch international verständlich. Rauss arbeitet mit diesen Formeln, mit Gestik und Bilderschrift und verbindet Allgemeines mit Konkretem. Anstelle einer  Darstellung von Piktogrammen, die den heutigen Menschen mit einer Flut von Bildern oft überfordern, kreiert sie eigene Bildzeichen von Menschen ihrer Umgebung. Dadurch wird ihre Bildsprache wieder zur geheimen Nachricht, die ihre Bedeutung assoziativ zur Anschauung bringt, und wirkt einer vordergründigen Interpretation ihrer Bilder entgegen. In ihren Piktogrammen können auch verborgene Gefühle und Emotionen enthalten sein, „dem Interpreten bleibt es jedoch  – unabhängig von der ursprünglichen Intention – überlassen, sie  in diesem oder jenem Sinn zu deuten“  (Eco, Umberto, erschienen in Microsoft Encarta Enzyclopedie 2005).

In ihren Bildern  arbeitet Ingeborg Rauss mit  Elementen  der   Op-Art, mit Illusion, die aus der Anordnung der Muster entsteht. Formal hält sie  an einem grafischen, reduziert gegenständlichen Stil fest, der auf geometrischen Grundlagen  basiert und der konkreten Kunst nahesteht.  Ihre  Figuren sind  schablonenhaft, doch sie  vibrieren und kommen durch strenge Streifenmuster in geometrischen Räumen und durch starke Gestik in Bewegung.  Mit bewegten Streifen erzeugt sie einen raumhaften Durchblick in den figuralen Formen und in den Hintergründen. Die Bildteile sind abgegrenzt durch grafisch-geometrische Linien.  Räume sind ein wichtiger Bestandteil in den Bildern von Ingeborg Rauss. Sie gestaltet sie teilweise sogar als strenge Architektur, ohne aber eine Perspektive zu betonen. So sind die Figuren direkt in die architektonischen Versatzteile wie in ein Rastersystem eingebunden und stehen nicht davor oder dahinter.

Manche Bilder sind in Quadrate gegliedert, andere stellen die Hauptfiguren in Kreise, durch beide Darstellungen entsteht  ein “Bild im Bild“ Effekt. In den frühen Arbeiten wurden auch kleinere quadratische Bilder zu einem großen zusammengefügt, die Bilder in Teile „geschnitten“. Zuerst wurde Malerisches von Grafischem überlagert, später integrierte sie die grafischen Linien in die Malerei. Die frühen Arbeiten zeigen zurückhaltende Farbigkeit, später dominieren starke  Grundfarben, weiß verwendet die Künstlerin sehr sparsam. Übereinanderliegende Schichten erzeugen teilweise starke Farbkontraste, die Grundfarben dominieren.

In den Grafiken setzt sich die Bildsprache von Ingeborg Rauss in sehr reduzierter Farbigkeit fort. Statt in  Rastersystemen  bewegen sich die Figuren frei im Raum, der durch  Schriften und schriftähnliche Schraffuren gegliedert wird.

Die Rastersysteme und Streifen findet man auch in ihren Objekten und Raumgestaltungen – Bilder werden zu Räumen. 

Zum Thema WECHSELSPIEL-INTERAKTION nimmt Rauss in ihrer Malerei und dem dazu verfassten Text Bezug auf das „mediatisierte Aufwachsen“ . In ihr künstlerisches Konzept hat sie Interviews und Fotos von Schülern eingebracht. Trotz der kritischen Behandlung einiger Themen auch in ihren anderen künstlerischen Arbeiten sieht sie diese Art des Aufwachsens nicht nur kritisch - die interaktive Kommunikation ist ein Bestandteil des Alltags und passt sich den rascheren Lebensformen der heutigen Zeit an. Alte Machtverhältnisse lösen sich auf, wodurch sich eine Entpädagogisierung und eine Hinwendung zum offenen Unterricht ergeben. Das Mobiltelefon - einerseits  Kontrollinstrument - fördert andererseits  die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen. Durch die Auswahl und Manipulation von Symbolen entstehen parasoziale Kommunikationshandlungen, die auch als Basis für das spätere Berufsleben anzusehen sind. Die sensible Behandlung öffentlicher Kommunikationsmittel (Facebook usw.) ist ebenso als Lernprozess gewandelter sozialer Strukturen zu werten.

Produzenten von Computerspielen stellen bei der Entwicklung ihrer Angebote mit Hilfe von grafischen Symbolen Bedeutung her.  Ingeborg Rauss arbeitet in allen Werkserien mit Symbolen und Ordnungssystemen, die in der Malerei durch Übereinanderlagern von Schichten entstehen. Der Raster ist bei ihr das oberste Ordnungssystem. Die schablonenhaften Figuren, ebenso symbolisch in Rahmen oder in den „Space“ eingefügt, ergänzt sie in der neuen Serie mit Fotocollagen. In direktem Bezug zum Thema findet man Schriften auf der Bildfläche, ornamental gemusterte Farbflächen lösen das strenge Gerüst auf. Die Menschen sind bei Rauss nicht nur in körperlicher, sondern noch mehr in geistiger Bewegung.

Einzelausstellungen

1985-1999

  • Galerie Lebzelterhaus, Vöcklabruck
  • Jägermayerhof, Linz
  • Behindertendorf, Altenhof
  • Burggalerie, Wels
  • Austria Tabak, Wien
  • Kulturzentrum Galerie Hof, Linz
  • Städtische Galerie Traun
  • Galerie Goieseralm, Bad Goisern
  • Golfclub Tillysburg
  • Galerie Lebzelterhaus, Vöcklabruck
  • Galeria Aria Design, Prag
  • Galerie Etienne die Causans, Paris
  • Galerie Zwach, Schörfling
  • Nibelungengalerie, Linz
  • GNG Galerie Gilles Naudin, Paris
  • Galerie Schloss Puchheim
  • Galerie im Gewölbe, Enns
  • Schloss Puchenau bei Linz
  • Galerie Innbrücke, Schärding
  • Galerie Forum, Wels
  • Galerie Stiegenhaus – Pädagogische Akademie Linz
  • Galerie Burgstraße, Burghausen
  • Galerie GNG Gilles Naudin, Paris
  • Schloss Lamberg, Steyr
  • Galerie Arton Konsthuset, Göteborg
  • Galerie am Wartberg, Wertheim

2000

  • SVA Galerie, Wien
  • Galerie-Halle, Linz

2001 -2009

  • Galerie der Generali Versicherung, Linz
  • Galerie Lebzelterhaus, Vöcklabruck
  • Galerie-Halle, Linz
  • Galerie Bertrand Kass, Innsbruck
  • Galerie Club der Begegnung, Linz
  • Schachinger Logistik, Hörsching
  • CDArt-gallery, Steyr
  • Galerie der Stadt Traun
  • Militärkommando Oberösterreich, Hörsching
  • Stadtturmgalerie. Schwanenstadt
  • Akademie für Malerei Berlin | Ausstellung und Vortrag
  • 44er-Haus Leonding “BILDZEICHEN – INTERPRETATION – KOMMUNIKATION”
  • Krypta der Karmeliten “ordnung über alles – alles über ordnung”,  Linz 
  • Rauminstallation Inway-Out im Musterhaus Mitterhauser Stuckhandwerk, Riedau

2011

  • Galerie ROOT am Savignyplatz, Berlin  “Unsichtbares sichtbar”  und “Widersprüchliches spruchreif”
  • Abschlusspräsentation mit Vortrag an der Akademie für Malerei, Berlin

2012

  • Galerie Zülow Gruppe “KONKRET GEGEN DIE SICHT”,  Linz
  • Galerie Lebzelterhaus, “Der Ordnung folgen”, Vöcklabruck 
  • Galerie in der Schmiede, “CHIFFREN UND STRUKTUREN”, Pasching

2013

  • Rauminstallation Galerie ROOT am Savignyplatz “LASSEN – ZULASSEN – SICH EINLASSEN”, Berlin

2014

  • Galerie Zülow – Kulturquartier Ursululinenhof “UND EIN BISSCHEN MEHR”, Linz
  • Galerie in der Schmiede “irreal real”, Pasching

Gruppenausstellungen

1988 - 1999

  • Burggalerie, Wels 
  • 1. Heinrichsberger Symposium
  • Galerie Kass, Innsbuck
  • 2. Heinrichsberger Symposium
  • Galleria Della Bra il Catalogo, Verona
  • Galerie Zauner Lin
  • Deutsche Post AG, Direktion, Hamburg
  • Europäischer Kunstkreis, Stift Schlägl | Auszeichnung mit der Goldmedaille
  • Associazione Culturale, Giacobbe Spazio, Mailand
  • Europäischer Kunstkreis, Bezirksmuseum, Braunau

2000 - 2009

  • Grafschafts-Museum, Wertheim
  • Art Vienna
  • Antonio Battaglia, Arte Contemporanea, Mailand
  • Hofbühne Tegernbach, Schlüßlberg
  • Biennale Florenz – Auszeichnung mit dem Lorenzo il Magnifico-Preis
  • Galerie Kass, Innsbruck
  • Gruppe 30
  • CDArt-gallery, Steyr
  • Galerie Nöfa, Wels
  • Ausstellung der Studenten  an der Akademie für Malerei, Berlin
  • Stand der Akademie,  Art Innsbruck und Art International, Zürich

2010

  • Galerie Bertrand Kass, Gruppe 30
  • Galerie ROOT„Bedeckt mit Chancen auf Rot“,  Berlin  
  • Galerie im Domenig-Haus Wien | BV der Bildenden Künstler Steiermark

2011

  • mit Galerie ROOT am Savignyplatz bei der Art Innsbruck und cutlog Paris
  • bsa-art: Höhenrausch 2 – Club Galerie Dr. Ernst Koref-Stiftung, Linz-Ursulinenhof und OK Offenes Kulturhaus Linz
  • bsa-art: Kulturmodell Passau

2012

  • Galerie ROOT am Savignyplat „Illustrieren und Erzählen“ und „Experiment Holzschnitt“, Berlin
  • Galerie Zülow – Kulturquartier Ursulinenhof, Linz
  • Galerie ROOT am Savignyplatz - Kunstmesse Art Fair, Köln

2013

  • Galerie Zülow – Kulturquartier Ursulinenhof, Linz
  • Galerie pack of patches, Jena „ROOT
  • Art-Fair Köln mit Galerie ROOT am Savignyplatz Berlin
  • Galerie ROOT am Savignyplatz „Bling-Bling“, Berlin 
  • Capgemini, Berlin

2014

  • GALERIE HOFFMANN & ROOT am Savignyplatz, Berlin
  • Galerie Zülow – Kulturquartier Ursulinenhof, Linz
  • Art Karlsruhe mit Galerie ROOT, Berlin
  • Meisterschülerausstellung „Kunst am Spreeknie“, Berlin
  • Galerie ROOT, Berlin | Grenzen der Kunst – 25 Jahre Mauerfall, Galerie ROOT Berlin | Kunstmesse POSITIONS BERLIN, 
  • BURN-IN Galerie Transparenz und Nachhaltigkeit, Wien